NordAlu vor dem Rathaus

NordAlu Jobmesse
Jobmesse gibt NordAlu-Beschäftigten Perspektiven

die Unternehmensaussichten werden dagegen zunehmend unsicherer

Jobmesse gibt NordAlu-Beschäftigten Perspektiven - die Unternehmensaussichten werden dagegen zunehmend unsicherer

Die Situation der NordAlu bleibt für die Beschäftigten besorgniserregend. Viele Kolleginnen und Kollegen warten weiterhin auf ausstehende Entgeltzahlungen und müssen inzwischen befürchten, weitere finanzielle Nachteile zu erleiden.

Die heute bei der NordAlu durchgeführte Jobmesse der IG Metall und der Agentur für Arbeit ist daher auf großes Interesse der Beschäftigten gestoßen. Mehr als ein Dutzend Arbeitgeber beteiligten sich mit Messeständen vor Ort an der Veranstaltung und warben um Fachkräfte aus der Belegschaft der NordAlu. Darüber hinaus informierte die Agentur für Arbeit über weitere Stellenangebote und unterstützte bei Fragen zur Arbeitslosmeldung.

Die erfolgreiche Jobmesse steht jedoch in starkem Kontrast zur wirtschaftlichen Situation des Unternehmens. Während die Geschäftsführung nach dem letzten Runden Tisch öffentlich Optimismus verbreitet hat, stellen sich die tatsächlichen Verhältnisse nach Informationen der IG Metall inzwischen deutlich kritischer dar.

Besonders widersprüchlich erscheint die aktuelle Situation beim von der Geschäftsführung angekündigten Businessplan. Die Unternehmensseite hatte im Rahmen der zurückliegenden Gespräche eine zeitnahe Wiederaufnahme der Produktion und sogar zusätzliche Investitionen in den Ausbau der Produktionskapazitäten in Aussicht gestellt. Gleichzeitig liegen der IG Metall Informationen vor, wonach die für den Geschäftsbetrieb wesentlichen ERP- und Finanzsysteme wohl aufgrund ebenfalls ausstehender Zahlungen an den Dienstleister abgeschaltet wurden und  der Mietvertrag für Grundstück und Gebäude fristlos gekündigt wurde. Nach Kenntnis der IG Metall besteht für das Betriebsgelände darüber hinaus ein Produktionsverbot und die Räumung soll bis zum 31. Oktober 2026 erfolgen, da weiterhin keine Einigung über den Erwerb des Grundstücks und der Gebäude zwischen dem Eigentümer und der NordAlu erfolgt ist. Die bislang angekündigte Investitionszusage in Höhe von 12 Millionen Euro wurde vom Unternehmen gegenüber Betriebsrat, Wirtschaftsausschuss und IG Metall bislang nicht nachvollziehbar belegt. Aus Sicht der IG Metall bleibt damit offen, wie ein belastbarer Businessplan aussehen und vor allem umgesetzt werden soll. Das gilt insbesondere für die von der Geschäftsführung zugesicherte Auszahlung der ausstehenden Entgelte für Juni und Juli an die Beschäftigten.

 

Steffen Kreisl, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Kiel-Neumünster, erklärt:

„Die Jobmesse hat gezeigt, dass die Beschäftigten der NordAlu Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt haben. Das ist eine gute Nachricht in einer sehr schwierigen Situation. Für Optimismus hinsichtlich der Unternehmensentwicklung sehen wir aktuell keine belastbare Grundlage. Die entscheidende Frage ist nicht, ob man einen Businessplan schreiben kann. Die entscheidende Frage ist, wie ein Unternehmen im September die Produktion wieder aufnehmen soll, wenn wesentliche Voraussetzungen dafür aktuell nicht vorhanden sind. Beschäftigte erhalten ihre Entgelte nicht, zahlreiche Kolleginnen und Kollegen haben deshalb ihre Arbeitsleistung inzwischen berechtigterweise zurückbehalten oder  sind bereits freigestellt. Gleichzeitig sollen die Beschäftigten nun an der Erstellung eines Businessplans mitarbeiten. Für uns bleibt der Arbeitgeber in der Pflicht, endlich Verantwortung gegenüber der Belegschaft zu übernehmen und die dafür notwendigen Schritte einzuleiten. “

 

Der Betriebsrat der NordAlu ergänzt:

„Die Kolleginnen und Kollegen erdulden seit Monaten Unsicherheit und finanzielle Belastungen, verbunden mit der Hoffnung auf Lösungen. Stattdessen kommen vom Unternehmen immer neue Ankündigungen ohne greifbare Ergebnisse. Viele fragen sich inzwischen nicht mehr, wann die Produktion wieder startet, sondern wie sie ihre persönliche Zukunft absichern können. Genau deshalb war die heutige Jobmesse für die Beschäftigten so wichtig. Sie verschafft den Kolleginnen und Kollegen konkrete Alternativen und Sicherheit, welche das Unternehmen ihnen derzeit nicht bietet.“

 

Stephanie Schmoliner, Geschäftsführerin der IG Metall Kiel-Neumünster, fasst die Situation zusammen:

„Die Beschäftigten haben in den vergangenen Monaten ein außergewöhnliches Maß an Loyalität und Verantwortung gezeigt. Die heutige Jobmesse hat deutlich gemacht, dass die Region diese Fachkräfte dringend braucht. Gleichzeitig müssen wir feststellen, dass die von der Geschäftsführung angekündigten Fortschritte bislang ausbleiben. Deshalb verfolgen wir weiterhin zwei Ziele gleichzeitig: Wir unterstützen alle ernsthaften Bemühungen zum Erhalt des Standorts und sorgen zugleich dafür, dass die Kolleginnen und Kollegen schnellstmöglich sichere berufliche Perspektiven erhalten. Gleichzeitig führen wir alle arbeitsrechtlichen und gerichtlichen Verfahren mit der notwendigen Konsequenz fort. Die Geschäftsführung trägt die Verantwortung für die aktuelle Situation des Unternehmens und für die Folgen, die daraus für die Beschäftigten entstehen. Sie muss jetzt handeln und endlich für Klarheit sorgen. Dazu gehört auch die Stellung eines Insolvenzantrags, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen dafür vorliegen.“